Monica Reza, McCasland und die toten Wissenschaftler: UFO-Spur oder Internet-Muster?
Grenzwissenschaft
Von Chris Dimperl
Seit Wochen geistert eine Geschichte durchs Netz, die auf den ersten Blick wie der Anfang eines ziemlich finsteren Thrillers wirkt: Eine Raketenwissenschaftlerin verschwindet beim Wandern. Ein pensionierter Air-Force-General verlässt sein Haus und taucht nicht wieder auf. Ein Astrophysiker wird auf seiner Veranda erschossen. Ein MIT-Professor stirbt durch Schüsse. Dazu kommen weitere Namen aus NASA, JPL, Caltech, MIT, Los Alamos, Raumfahrt, Militärforschung und exotischen Antriebsideen. Und sofort hängt die große Frage im Raum: Zufall, tragische Einzelfälle – oder ein Muster?
Der Name, der aktuell besonders oft fällt, ist Monica Reza. Sie verschwand am 22. Juni 2025 bei einer Wanderung im Angeles National Forest in Kalifornien. Kein gewöhnlicher Name in diesem Zusammenhang, denn Reza war nicht einfach irgendeine Wanderin. Sie wird in mehreren Berichten als hochqualifizierte Ingenieurin aus dem Luft- und Raumfahrtbereich beschrieben, mit Arbeit an Raketenantrieben und Hochleistungswerkstoffen. Genau diese Kombination macht den Fall so aufgeladen: Eine Frau mit technischem Spezialwissen verschwindet in schwierigem Gelände, und bis heute bleibt öffentlich unklar, was passiert ist.
Dann ist da William Neil McCasland, pensionierter Major General der US Air Force. Er verschwand Ende Februar 2026 aus seinem Haus in Albuquerque, während seine Frau kurz außer Haus war. Telefon, Brille und elektronische Geräte blieben zurück. Bei ihm liegt die UAP-Nähe deutlich stärker auf der Hand als bei vielen anderen Namen, weil er früher das Air Force Research Laboratory in Wright-Patterson leitete und später im öffentlichen UAP-Diskurs auftauchte. Wright-Patterson ist in der UFO-Kultur ohnehin ein Reizwort. Man muss nur diesen Namen nennen, und bei vielen gehen sofort Roswell, geborgene Materialien und geheime Hangars im Kopf an.
Aber genau hier muss man sauber bleiben. Ein echter Bezug zum militärischen Aerospace-Umfeld ist nicht automatisch ein Beweis für UFO-Wissen. Und ein offenes Verschwinden ist noch kein Beleg für eine Operation. McCaslands Fall ist ungewöhnlich, keine Frage. Rezas Fall ebenfalls. Aber ungewöhnlich heißt nicht automatisch koordiniert.
Die große Online-Liste wird noch breiter. Amy Eskridge wird genannt, weil sie sich mit exotischen Wissenschafts- und Antriebsideen beschäftigte. Carl Grillmair, ein Caltech-Astrophysiker mit NASA-Nähe, wurde erschossen. Nuno Loureiro vom MIT arbeitete in Plasma- und Fusionsphysik und wurde ebenfalls getötet. Michael Hicks und Frank Maiwald werden wegen JPL- bzw. NASA-Bezug in dieselbe Erzählung gezogen. Jason Thomas taucht sogar auf manchen Listen auf, obwohl sein Hintergrund deutlich anders liegt und laut Berichten persönliche Belastungen eine Rolle gespielt haben könnten.
Das ist der Punkt, an dem ich vorsichtig werde. Nicht, weil das Thema uninteressant wäre. Im Gegenteil. Es ist hochinteressant. Aber eine gute Recherche muss zwischen drei Dingen trennen: Was ist belegt? Was ist plausibel? Und was ist reine Projektion?
Belegt ist: Es gibt reale Fälle. Einige davon sind offen, einige gewaltsam, einige tragisch, einige durch Behörden bereits in bestimmte Richtungen eingeordnet. Ebenfalls belegt ist: Die Fälle haben eine politische und mediale Welle ausgelöst, bis hin zu Forderungen nach weiterer Prüfung. Nicht belegt ist dagegen, dass alle diese Menschen an UFO-/UAP-Forschung arbeiteten oder wegen geheimen Wissens verschwanden beziehungsweise starben.
Das macht Monica Reza nicht weniger spannend. Im Gegenteil. Ihr Fall bleibt einer der wichtigsten, gerade weil er nicht sauber abgeschlossen ist. Eine erfahrene Person verschwindet beim Wandern in einem Gebiet, in dem Suchmannschaften trotzdem nichts finden. Dazu kommt ein beruflicher Hintergrund, der perfekt in die UAP-Debatte passt. Man muss keine wilde Geschichte erfinden, um zu sagen: Das verdient Aufmerksamkeit.
Aber Aufmerksamkeit ist etwas anderes als Gewissheit. Bei McCasland gilt dasselbe. Der Mann bewegte sich in einem Umfeld, das für UAP-Forscher natürlich interessant ist. Sein Verschwinden ist real. Die offenen Fragen sind real. Nur die große Schlussfolgerung – dass hier eine Reihe von Wissenschaftlern gezielt ausgeschaltet wurde – bleibt bisher öffentlich unbelegt.
Für mich liegt der eigentliche Wert dieser Debatte deshalb nicht in der schnellen Sensation, sondern in der sauberen Fallarbeit. Wer sich ernsthaft für UAPs interessiert, sollte nicht jeden tragischen Todesfall im Raumfahrtumfeld sofort in dieselbe Schublade werfen. Das schwächt am Ende sogar echte Recherche. Besser ist: jeden Fall einzeln prüfen, Quellen sauber trennen, Familienaussagen respektieren, Behördenstände dokumentieren und bei offenen Fällen dranbleiben.
Monica Reza und William McCasland bleiben wichtige Namen. Nicht, weil sie beweisen, dass es eine geheime UFO-Spur gibt. Sondern weil sie zeigen, wie nah reale ungeklärte Fälle, geheime Technologie, militärische Forschung und öffentliche Spekulation inzwischen beieinanderliegen. Und genau dort lohnt sich Recherche. Nicht hysterisch. Nicht naiv. Sondern wach, kritisch und verdammt genau.
Forscher, Programmierer, Technikbegeistertes Mitglied des CCC - Chaos Computer Club: Bisher habe ich immer nur Wissen gesammelt. Gerade die Arbeit an UFOBase und Abductionbase habe Unmengen an Datenmaterial hervorgebracht. Auch meine kurze aber sehr intensive Arbeit bei MUFON-CES hat viele neue Erkenntnisse zu Tage gefördert. Hier nun möchte ich einige dieser Geschichten und Daten weitergeben, so dass sie nicht in Vergessenheit geraten. Einige dieser Geschichten kann man nicht rationell erfassen oder mit den Mitteln unserer Wissenschaft greifen oder begreifbar machen. Es liegt an uns, was wir daraus machen. Wie sagte Mulder einst so schön? MULDER: Also, wenn uns die konventionelle Wissenschaft keine Antworten bietet, müssen wir uns dann am Ende nicht doch dem Fantastischen als Möglichkeit zuwenden? In diesem Sinne wünsche ich Ihnen kurzweilige Stunden hier auf dieser Seite.
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