POSS-I-Transiente, Atomtests und UAPs: Was eine neue Studie wirklich zeigt
Grenzwissenschaft
POSS-I-Transiente, Atomtests und UAPs: Was eine neue Studie wirklich zeigt
Von Chris Dimperl
In der UAP-Forschung gibt es viele Behauptungen, aber nur wenige Arbeiten, die historische Daten mit nachvollziehbaren statistischen Methoden auswerten. Genau deshalb ist eine neue Studie von Stephen Bruehl und Beatriz Villarroel interessant. Sie erschien 2025 in Scientific Reports und untersucht die Frage, ob rätselhafte Transiente auf alten Himmelsaufnahmen mit Atomtests und UAP-Meldungen zusammenhängen könnten.
Worum geht es überhaupt?
Im Zentrum der Arbeit stehen sogenannte Transiente. Gemeint sind kurzzeitig auftauchende, sternähnliche Lichtquellen auf astronomischen Fotoplatten. Diese Objekte erscheinen auf einer Aufnahme, fehlen auf Bildern kurz davor und tauchen auch in späteren Himmelsdurchmusterungen nicht wieder auf. In der Studie geht es dabei um Material aus dem Palomar Observatory Sky Survey (POSS-I), also um Aufnahmen aus einer Zeit noch vor dem ersten künstlichen Satelliten.
Die Autoren betrachten den Zeitraum vom 19. November 1949 bis 28. April 1957. Insgesamt umfasst der Datensatz 2.718 Tage. An 310 Tagen wurden Transiente registriert. Zusätzlich verglichen die Forscher diese Daten mit 124 Tagen oberirdischer Atomtests sowie mit historischen UAP-Meldungen aus der UFOCAT-Datenbank. Ausgangspunkt war ein ursprünglicher Datensatz mit 107.875 identifizierten Transienten, der für die Analyse tagesweise aufbereitet wurde.
Der auffälligste Befund: Zusammenhang mit Atomtests
Der erste zentrale Befund der Studie ist ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen Transienten und oberirdischen Atomtests. Laut den Autoren waren Transiente innerhalb eines Fensters von plus/minus einem Tag um einen Atomtest herum 45 Prozent wahrscheinlicher als außerhalb dieses Zeitraums.
Noch interessanter wird es beim genauen Timing: Der stärkste Einzelzusammenhang zeigte sich einen Tag nach einem Atomtest. An solchen Tagen war die Wahrscheinlichkeit für ein Transienten-Ereignis laut Studie 68 Prozent höher als an Tagen ohne diesen Bezug. Auch die Gesamtzahl der beobachteten Transiente lag innerhalb des Atomtest-Fensters höher als außerhalb.
Auch UAP-Meldungen zeigen eine statistische Beziehung
Der zweite große Punkt betrifft die UAP-Meldungen. Die Studie zeigt, dass an Tagen mit mindestens einem beobachteten Transienten die Zahl der Transiente mit der Zahl der gemeldeten UAP-Fälle anstieg. Die einfache Korrelation war zwar klein, aber statistisch signifikant. In einem weitergehenden Modell kamen die Autoren zu dem Ergebnis, dass jede zusätzliche UAP-Meldung an einem Tag mit einem Anstieg der Zahl beobachteter Transiente um 8,5 Prozent verbunden war.
Besonders bemerkenswert: Die höchsten Werte traten an Tagen auf, an denen mindestens eine UAP-Meldung vorlag und der Tag gleichzeitig in ein Atomtest-Fenster fiel. Die Autoren interpretieren das vorsichtig als möglichen Hinweis darauf, dass sich beide Effekte addieren könnten.
Der visuelle Fall aus dem Jahr 1952
Die Studie bleibt nicht nur abstrakt, sondern zeigt auch ein konkretes Beispiel. Dargestellt wird ein sogenannter Triple Transient aus dem Juli 1952. Auf einer POSS-I-Rotaufnahme ist die auffällige Struktur sichtbar, auf einer kurz darauf aufgenommenen Blauaufnahme bereits nicht mehr, und auf späteren Bildern fehlt sie ebenfalls. Genau solche Fälle machen das Thema so reizvoll, weil sie sich nicht sofort banal wegerklären lassen.
Was die Studie nicht beweist
Jetzt der entscheidende Punkt: Die Arbeit beweist nicht, dass es sich bei diesen Transienten um außerirdische Objekte handelt. Die Autoren sagen selbst ausdrücklich, dass ihre Ergebnisse keine Kausalität belegen. Sie zeigen statistische Zusammenhänge, keine endgültige Ursache.
Das ist wichtig, denn gerade bei UAP-Themen wird aus einer auffälligen Korrelation schnell eine große Behauptung. Genau das macht die Studie aber nicht. Sie formuliert vorsichtig. Einerseits sprechen die Ergebnisse gegen einige sehr einfache Standarderklärungen wie reine Plattenfehler oder lokale Verunreinigungen. Andererseits bleiben viele Fragen offen.
Die Schwächen der Arbeit
Und diese Grenzen benennen die Autoren selbst ziemlich offen. Die statistischen Effekte sind eher klein. Die UAP-Daten enthalten zwangsläufig Unsicherheiten, etwa durch Fehlwahrnehmungen, ungenaue Berichte oder Mehrfachmeldungen. Auch die Transienten-Erkennung ist trotz automatisierter Verfahren nicht perfekt. Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Die astronomischen Aufnahmen stammen von einem einzigen Beobachtungsort, während Atomtests und UAP-Meldungen weltweit stattfanden.
Genau deshalb sollte man die Studie weder aufblasen noch abtun. Sie ist kein finaler Durchbruch, aber sie ist auch nicht einfach nur wilde Spekulation.
Warum die Arbeit trotzdem interessant ist
Der eigentliche Wert der Studie liegt darin, dass sie ein lange belächeltes Grenzthema mit historischen Datensätzen, klaren Variablen und statistischen Verfahren angeht. Das allein ist schon bemerkenswert. Dazu kommt, dass die Autoren ihre eigenen Grenzen offen ansprechen und die Ergebnisse bewusst vorsichtig einordnen.
Unterm Strich liefert die Arbeit also keinen „Beweis für UFOs“, aber sie legt nahe, dass in den historischen POSS-I-Daten etwas steckt, das weitere Untersuchung verdient. Und genau so sollte man das auch lesen: nicht als Sensation, sondern als ernstzunehmenden Hinweis darauf, dass manche historischen Anomalien vielleicht doch mehr sind als bloß Bildfehler oder statistischer Zufall.
Fazit
Die neue Studie aus Scientific Reports ist ein interessanter Beitrag zur wissenschaftlichen UAP-Debatte. Sie zeigt kleine, aber statistisch signifikante Zusammenhänge zwischen historischen Transienten, Atomtests und UAP-Meldungen. Das beweist keine exotische Ursache. Aber es reicht aus, um das Thema nicht einfach vom Tisch zu wischen. Für die UAP-Forschung ist das ein spannender und durchaus bemerkenswerter Schritt.
Quellen
Bruehl, Stephen & Villarroel, Beatriz: Transients in the Palomar Observatory Sky Survey (POSS-I) may be associated with nuclear testing and reports of unidentified anomalous phenomena. Scientific Reports (2025), 15:34125. DOI: 10.1038/s41598-025-21620-3.
Datengrundlage, Methoden, Tabellen, Abbildungen und Diskussion aus der Studie.
Forscher, Programmierer, Technikbegeistertes Mitglied des CCC - Chaos Computer Club: Bisher habe ich immer nur Wissen gesammelt. Gerade die Arbeit an UFOBase und Abductionbase habe Unmengen an Datenmaterial hervorgebracht. Auch meine kurze aber sehr intensive Arbeit bei MUFON-CES hat viele neue Erkenntnisse zu Tage gefördert. Hier nun möchte ich einige dieser Geschichten und Daten weitergeben, so dass sie nicht in Vergessenheit geraten. Einige dieser Geschichten kann man nicht rationell erfassen oder mit den Mitteln unserer Wissenschaft greifen oder begreifbar machen. Es liegt an uns, was wir daraus machen. Wie sagte Mulder einst so schön? MULDER: Also, wenn uns die konventionelle Wissenschaft keine Antworten bietet, müssen wir uns dann am Ende nicht doch dem Fantastischen als Möglichkeit zuwenden? In diesem Sinne wünsche ich Ihnen kurzweilige Stunden hier auf dieser Seite.
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